Die Chronik des DRK Ortsvereins Spaichingen
Die Geburtsstunde des DRK Spaichingen datieren wir auf den Herbst 1933.
Zunächst unter dem Dach der Feuerwehr als „Freiwillige Sanitätskolonne“ gegründet, fand die Idee des Roten Kreuzes in unserer Stadt großen Anklang. Die Pioniere dieser Idee, voran der erste Kolonnenarzt Dr. Matthias May und der erste – leider früh verstorbene - Kolonnenführer Drogist Karl Eisele, bauten in kurzer Zeit eine ansehnliche Gruppe auf, die anfangs 1934 bereits 35 männliche Helfer umfasste.
Im November 1936 wurde eine DRK-Helferinnenabteilung ins Leben gerufen der 40 Frauen und Mädchen beigetreten sind. Der zweite Weltkrieg und dessen Folgen forderten den Helferinnen und Helfer einiges ab.
Viele Kameraden standen im Feld; 15 von ihnen kehrten nicht mehr heim.
Etliche DRK-Helferinnen wurden in Krankenhäusern und Lazaretten, auch jenseits der Grenzen, eingesetzt.
Unmittelbar nach Ende des Krieges stellte die Versorgung der durchziehenden Kriegsgefangenen eine starke Herausforderung dar, die mit großem Einsatz bewältigt wurde. Die Besatzungsmächte lösten sämtliche Verbände, also auch die DRK-Formationen, auf.
Bei der Besetzung der Stadt Spaichingen ging die gesamte Ausrüstung unserer Gruppe verloren. Nachdem Bereitschaftsarzt Dr. May Anfang Mai 1946 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, sammelte sich wieder ein Teil der alten Kameraden, zudem traten neue Helferinnen und Helfer in die Gruppe ein.
Unter Mithilfe des Kreisvereins und von Spendern konnte die Ausrüstung erneuert werden. Die Mitarbeit der örtlichen Helfer in dem ab 1950 gebildeten DRK-Suchdienstes half mit, zahlreiche Schicksale von Vermissten und Gefangenen aufzuklären.
Der erste Krankenwagen wurde 1953 mit Hilfe des DRK-Kreisvereins, des Landkreises Tuttlingen, der Stadt Spaichingen und vieler örtlicher Firmen angeschafft. Ehrenamtliche Helfer unserer Gruppe haben daraufhin Tag und Nacht den Dienst des Krankentransports übernommen.
Der hohe Ausbildungsstand der DRK-Gruppe dokumentierte sich im erstmals 1959 stattfindenden Erste-Hilfe-Wettbewerbs, wo sie unter der Führung von Bereitschaftsarzt Dr. May und Bereitschaftsführer Adolf Maurer Bezirks-, Landes- und Bundessieger wurde und den Solferino-Wanderpreis erhielt.
Bis zum heutigen Tage wurde die Einsatz- und Leistungsfähigkeit des DRK ständig den neuen Anforderungen und Ansprüchen angepasst.
Außer bei den klassischen Aufgaben des Sanitätsdienstes und Krankentransportdienstes, des Blutspendedienstes, des Katastrophenschutzes und der Sanitätsausbildung standen und stehen unsere Helferinnen und Helfer auch in der Verantwortung in den sozialen Diensten, bei der Betreuung der Flüchtlinge aus Vietnam und Laos in den frühen Achtzigerjahren und der Übersiedler nach dem Fall des eisernen Vorhangs 1989, kurz gesagt überall dort, wo Menschen Hilfe brauchen.
Im Jahr 1981 wurde eine Jugendgruppe gegründet. Die Jugendlichen unterstützen die DRK-Gruppe mit großem Eifer und wachsen so in die Aufgaben des Rotes Kreuzes hinein.
In den langen Jahren ihres Bestehens hat die Ortsgruppe Spaichingen oft das Domizil gewechselt und die Rolle des geduldeten Gastes gespielt. Sie benutzte nacheinander Diensträume im alten Rathaus, mehrmals im Gewerbemuseum, im Schulgebäude in der Bahnhofstraße, im alten Polizeigebäude an der Hauptstraße, im neuen Feuerwehrmagazin und im neuen Rathaus am Marktplatz.
Im Jahr 1993 hat der DRK-Kreisverein Tuttlingen im Zusammenwirken mit dem DRK-Ortsverein Spaichingen und mit finanzieller Hilfe der Stadt Spaichingen einen Anbau an die bestehende Rettungswache fertiggestellt, in
dem die Ortsgruppe endlich eine bleibende Heimat gefunden hat und der den Namen unseres Mitbegründers trägt: „Dr. Matthias-May-Haus“.
Das DRK Spaichingen war von 1950 bis 1983 am Suchdienst beteiligt, danach verblieb diese Aufgabe dem Kreisverein.
1970 gründete Spaichingen mit der französischen Stadt Sallanches eine Städtepartnerschaft. Das DRK Spaichingen pflegt seither eine Partnerschaft mit der Vereinigung Freiwilliger Blutspender in Sallanches.
Im Jahr 1976 wurde von der früheren Kreissozialleiterin Lore Frey die Seniorengymnastik für das DRK Spaichingen ins Leben gerufen. Senioren und Gehbehinderte werden in mehreren Gymnastikgruppen von ehrenamtlichen DRK-Übungsleiterinnen betreut. Zusätzlich wurde Wassergymnastik für Senioren im Hallenbad in Aldingen durchgeführt; die Leitung der Wassergymnastik ging nach dem von Tod Maria Mattes an Hände außerhalb des DRK über.